Blickwechsel: Beratung, Training, Fortbildung im Rahmen des Berliner Landesprogramms Radikalisierungsprävention (Landeskommission Berlin gegen Gewalt)

Kostenfreie und anonyme Beratung zum Blickwechsel-Training

Haben Sie Fragen zum Blickwechsel-Training oder möchten Sie jemanden zuweisen? Rufen Sie uns an, wir beraten Sie gern und anonym, wenn Sie mögen.

 

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Das Blickwechsel-Training in Berlin

Projektzeitraum: 01.04.2017 bis 31.12.2020

Im Jahr 2017 wurden die strukturellen Grundlagen für das Projekt gelegt und erste Fälle wurden begonnen. Seitdem gibt es für zuweisende Stellen fortlaufend die Möglichkeit Fälle an uns zu vermitteln.

 

Auch im Jahr 2020 werden Blickwechsel-Trainings wieder angeboten und durchgeführt und weiterhin beraten, informieren und schulen wir zuweisende Stellen. Das Projekt richtet sich somit an 2 Zielgruppen: an junge Menschen, die Radikalisierungstendenzen zeigen, die auf innerpsychische und interpersonelle Ursachen zurückzuführen sind und an zuweisende Stellen und Personen, die mit ebendiesen jungen Menschen zu tun haben. Das Projekt ist damit im Bereich der sekundären und tertiären Prävention angesiedelt.

 

Teile des Projektes "Qualifizierungsmaßnahmen zur Radikalisierungsprävention für Multiplikator(inn)en" welches in 2018 nicht erneut beantragt wurde, aber sehr erfolgreich war, gehen hierin gleichsam auf. 

 

Blickwechsel-Training:

Blickwechsel ist ein psychodynamisch fundiertes, indikativ-manualisiertes Einzeltraining mit dem Ziel der Radikalisierungsprävention. Es hat einen Umfang von 40 Einzelsitzungen, und wird über 6-8 Monate ein bis dreimal pro Woche durchgeführt. Mit Hilfe einer pädagogischen Interaktionsdiagnostik werden relevante Defizite in den Funktionen der Selbst- und Beziehungsregulation erkannt und gezielt fortentwickelt, um so Radikalisierungstendenzen frühzeitig entgegen zu wirken oder eine Deradikalisierung zu ermöglichen.

 

Zielgruppe für das Blickwechsel-Training sind junge Menschen ab 13 Jahren, die sich aufgrund von (Identitäts-)Entwicklungsstörungen radikalen Weltsichten und/oder radikalen Gruppierungen zuwenden. Außerdem werden diejenigen jungen Menschen angesprochen, bei denen bestimmte „psychische Dispositionen“ vorliegen, die als Risikofaktoren für eine Radikalisierung gelten.

 

Blickwechsel wird als ambulantes oder stationäres Programm (in Haft) eingesetzt. Die Zuweisungen kommen von allen öffentlichen und privaten Einrichtungen in Berlin: v.a. Jugendbewährungshilfe, Jugendgerichtshilfen, Justizvollzugsanstalten, Sicherheitsbehörden, freie und öffentliche Träger der Jugendhilfe, Vereine, Projekte, Moscheeverbände und Schulen können Teilnehmer(innen) für das Training melden.

 

Mehr zu den Grundlagen des Blickwechsel-Trainings erfahren Sie hier.

 

Wissenschaftliche Begleitung 

Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung des Projekts "Blickwechsel-Training" finanziert von der Landeskommission Berlin gegen Gewalt im Jahr 2017 wurden vor allem die Zuweisungsstrukturen eingehend begutachtet und Probleme und Hindernisse qualitativ erhoben und ausgewertet. Dazu wurden leitfadengestützte Telefoninterviews mit Entscheidungsträger(inne)n und Expert(inn)en zuweisender Stellen in Berlin und mit Expert(inn)en verschiedener Institutionen und Behörden (u.a. Beratungstelle Radikalisierung des BAMF, Berliner Verfassungsschutz, Landeskriminalamt Berlin, Jugendbewährungshilfe, Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz) geführt. Die Ergebnisse wurden strukturiert ausgewertet und geben Aufschluss über die Schwierigkeiten und Bedarfe zuweisender Stellen und die Vorgaben und Praxiserfahrung von beteiligten Behörden und Institutionen.

 

Grundsätzlich besteht auf Seiten der zuweisenden Stellen mangels einer geeigneten Indikation eine große Unsicherheit bei der Zuweisung vermeintlich radikalisierter oder gefährdeter Jugendlicher in geeignete Maßnahmen. Hier gibt es einen großen Schulungsbedarf im Bereich von frühzeitiger Erkennung und Hinwendungsmotiven. Doch auch die Ansprache dieser jungen Menschen stellt zuweisende Stellen wie Schule, Bewährungshilfe, Jugendgerichtshilfe und Regionale Soziale Dienste, Mitarbeiter(innen) anderer Träger der Jugendhilfen vor Herausforderungen. Im Spannungsfeld zwischen notwendiger Prävention oder Intervention und einer drohenden Fehleinschätzung mit Folge von Stigmatisierungs- oder Ausgrenzungserfahrungen spielt ein zielgerichteter, aber abwertungsfreier Dialog eine herausragende Rolle. Auf allen Seiten wird sich darüber hinaus eine bessere Vernetzung zwischen den Ebenen gewünscht, da sich die eigentlich notwendige Zusammenarbeit in der Praxis oftmals schwierig gestaltet. Aufgrund dieser Erkenntnis haben wir Ende 2017 begonnen die Netzwerkarbeit anderer Bundesländer zu analysieren, um herauszufinden wie diese aufgebaut sind und wie sie in der Praxis funktionieren. Diese Ergebnisse geben Anstöße, die sich positiv auf die Vernetzung in Berlin auswirken.

 

Um zuweisende Stellen bei Fragen bezüglich konkreter Fälle zu unterstützen, werden auch in diesem Jahr wieder fallbezogene Beratungsgespräche angeboten. Ebenso besteht die Möglichkeit sich zu Fortbildungen mit den Themen Gewalt, Radikalisierung, Prävention und Intervention anzumelden. Bei Fragen über das Blickwechsel-Training und weitere Projekte der Denkzeit Gesellschaft können Informationsgespräche mit potenziell zuweisenden Stellen durchgeführt werden. Diese Angebote sind projektfinanziert und somit kostenfrei.

 

Die Ergebnisse der letzten Jahre sind und werden weiterhin in die Projektarbeit 2020 miteinfließen. Fortlaufend werden wird eine vergleichende Analyse der Blickwechsel-Fälle vornehmen. In diesem Rahmen werden anonymisierte Falldokumentationen im Hinblick auf den Zuweisungsgrund, entwicklungspsychologische Aspekte sowie die Entwicklung im Training ausgewertet und analysiert.

 

 

 

 

           gefördert durch die Landeskommission Berlin gegen Gewalt

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